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 X—TENDED

    04/21/2003 01:42:32

  • Nur die USA blieben unversöhnlich:

  • "Auf Grund des Embargos

  • durfte das Museum

  • weder eine Alarmanlage

  • noch eine Klimaanlage einbauen",

  • erzählt der Orientalist Sommerfeld.

  • Mit dem Pulverdampf der letzten Wochen

  • hat das Land erneut antike Substanz verloren.

  • Zwar pinselten irakische Helfer mit blauer und weißer Farbe

  • das Piktogramm der Stiftung Weltkulturerbe

  • auf die Dächer der 20 wichtigsten Museen im Land.

  • Gleichwohl

  • gerieten

  • die Antikensammlungen

  • in Tikrit und Mossul

  • unter schweren Beschuss.

  • In Bagdad wurde der Abassidenpalast bombardiert.

  • Seine Grundmauern stammen aus dem

  • 09. Jahrhundert

  • Doch das sind Peanuts

  • gegen die Raubzüge vom Alawi-Platz,

  • wo das befreite Volk, bewehrt mit Kuhfüßen einen

  • "Veitstanz der primitivsten Zerstörungslust"

  • ("Frankfurter Allgemeine") aufführte.

  • Womöglich lauern aber noch andere Gefahren

  • - und zwar in den USA.

  • Dort nämlich bereiteten einflussreiche Mäzene einen Deal vor:

  • Sie wollen ganz legal an die prall gefüllte Schatzkammer aus Sumer.

  • Bereits am

  • 24.Jan.2003

  • wurden beim US State Department

  • zwei elegant gekleidete Männer vorstellig -

  • Vertreter des "American Council for Cultural Policy".

  • Der Verein bezeichnet sich selbst als Sammelbecken von

  • "prominenten Sammlern und Kuratoren".

  • Sein Leiter ist

  • Ashton Hawkins,

  • ehemals Rechtsberater des

  • Metropolitan Museum in New York.

  • Der Besuch der Granden,

  • zu denen schwerreicher Geldadel und

  • Ex-Leute vom Getty Museum

  • gehören,

  • hatte ein klares Ziel.

  • Sie halten das harte irakische Antikengesetz

  • für zu "zurückhaltend".

  • Ausländische Archäologen,

  • so das Begehr,

  • müssten

  • in Zukunft

  • schneller Grabungslizenzen erhalten.

  • Den wichtigsten Punkt bei dem Lobbygespräch

  • nannte schließlich der Schatzmeister des Vereins,

  • William Pearlstein.

  • Iraks Antikenwunder

  • sollen in Zukunft

  • auch legal über die Grenze gehen können:

  • "Wir möchten die Freigabe mancher Objekte für den Export."

https://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-245463,00.html
04/21/2003 01:37:52

Anfangs

sah es so aus,

als hätten die Diebe die Kellerräume verschont.

Lange Hallen mit Regalen ziehen sich durch das Untergeschoss.

"Diese Magazine sind nicht leicht zu finden, man erreicht sie nur über einen Fahrstuhl",

erklärt der Marburger Orientalist Walter Sommerfeld.

Doch auch diese Speicher sind geplündert.

Trauben von Menschen

seien dicht gedrängt

im Lift ins Tiefparterre karjuckelt,

berichtet der Wächter Khadim.

Genaueres weiß er nicht.

Keilschriftexperten reagierten auf die Meldung mit Entsetzen.

"Im Museumskeller liegen die Uruk-III-Texte,

die älteste Bibliothek der Menschheit",

erklärt der Orientalist Nissen.

Es sind etwa 6000 Tontafeln,

die der Forscher mit "Bahlsenkeksen" vergleicht:

"Im Regen lösen sie sich auf."

Von der Direktorin Mutawalli war

letzte Woche

nichts Verständliches zu hören.

In einem TV-Interview

brach sie mehrfach in Weinkrämpfe aus.

Eine erste Abschätzung der Verluste

liegt vom Museumsarchäologen Reda vor:

"80 Prozent von dem, was wir haben, ist gestohlen."

"Wahnsinn",

lamentiert der DAI-Orientale Eichmann.

Sind wirklich alle Exponate perdu?

Der Verlust der Relikte aus dem wohl wichtigsten Kraftfeld des menschlichen Fortschritts

wäre ein ungeheurer Aderlass für die Altertumswissenschaft.

04/21/2003 01:36:12
Gleichwohl ließen die Truppen der Sieger den Mob gewähren.

Zwar kreuzten am Freitag, den

11.Apr.2003

für kurze Zeit erneut

US-Panzer auf und vertrieben schon durch das Gedröhne der Antriebsketten die Banden.

Doch dann ging die Tragödie weiter.

Der Hausarchäologe Reda:

"Ich bat die Militärs, einen Panzer als Wache hier zu lassen, doch sie lehnten ab."

Noch am Samstagmorgen,

12.Apr.2003

heißt es,

griffen Diebe in den langen, mit Stein gefliesten Fluren des Museums nach kleinen sumerischen Elfenbeinschnitzereien.

Erst am Sonntag -

13.Apr.2003

die Meldungen auf CNN und BBC überschlugen sich bereits -

wurde der Zug der Schatzräuber gestoppt.

Der Rechtsexperte Knut Ipsen

sieht in der schlampigen Bewachung des US-Militärs

sogar einen "völkerrechtswidrigen Akt".

Die Plünderungen hätten "unterbunden werden müssen".

In seinen Augen ergibt sich nun eine paradoxe Situation:

"Der Irak könnte die USA und Großbritannien

beim Internationalen Gerichtshof

auf Schadensersatz verklagen."

Was in der großen "Stunde der Räuber"

("Tagesspiegel")

wirklich geschah,

ist allerdings längst noch nicht geklärt.

170 000 Kunstwerke sollen verschwunden sein.

"Grundlegende Ecksteine der westlichen Zivilisation"

seien beschädigt und entwendet worden,

meint der US-Kunsthistoriker John Russell.

Seine britische Kollegin Eleanor Robson

vergleicht die Aktion mit dem

Ansturm der Mongolen, die

00.000.1258

die Metropole am Tigris überrannten.

https://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-245463,00.html
04/21/2003 01:35:23
Der Grund:

Bereits im

00.Dez.2002

hatte McGuire Gibson, ein Orientalist von der Universität Chicago,

dem State Department

Hinweise zum Schutz von rund 4000 archäologischen Stätten im Irak gegeben.

In Listen waren Koordinaten der Ruinen von

Ninive,

Nimrud und

Assur

bis hin zur über 60 Meter hohen Moschee von Samarra

eingezeichnet -

als Warnung für die Programmierer der Marschflugkörper.

Und natürlich war auch das -

00.000.1966

von deutschen Firmen errichtete -

Supermuseum von Bagdad in der Liste aufgeführt.

04/21/2003 01:31:45
In der Aufregung

der letzten Woche

kursierten noch weit wildere Gerüchte.

Als die stellvertretende Museumsdirektorin Midal Amin am Tatort erschien,

klagte sie das US-Militär an :

"Da steckt Absicht hinter."

Gänzlich konnte das Pentagon den Verdacht nicht ausräumen.

Zwar

nannte es das Vernachlässigen der Kulturschätze von Bagdad einen "Fehler".

Doch

daran mögen viele nicht glauben.

04/21/2003 01:30:57
Ein GAU:

"5000 Jahre

Zivilisationsgeschichte

wurden zertrampelt",

meint der Berliner Orientalist Hans Nissen.

"Ich bin wütend."

Ricardo Eichmann,

Orientexperte am Deutschen Archäologischen Institut (DAI),

fühlte sich "verzweifelt".

Doch wohin haben die Plünderer ihre Beute geschleppt?

Sind Abertausende Statuen, Siegel, Elfenbeinringe in Hehlerkreise abgewandert,

eingespeist in dunkle Pipelines,

aus denen sich der gefräßige internationale Kunstmarkt gern versorgt? *

Mit Einschussloch über dem Rundbogen. --> https://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,245499,00.html
04/21/2003 00:59:56
"Die amerikanischen Truppen sind Besatzungstruppen,

sogar die Amerikaner und Briten haben das gesagt",

hatte der Gastgeber des Treffens,

der saudi-arabische Außenminister Saud al-Faisal,

zum Abschluss der Konferenz erklärt.

"Sie können ihre Verpflichtungen gemäß Genfer Konvention nicht erfüllen,

wenn man sie nicht als das bezeichnet, was sie sind."

https://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,245506,00.html

04/20/2003 12:52:28
Die Welt ist zum Friedhof geworden"

"Es zerbreche die Kette des Hasses,

die eine geordnete Entwicklung der Menschheitsfamilie bedroht!",

rief der Führer von weltweit einer Milliarde Katholiken in seiner Predigt.

"Gott gewähre uns,

von der Gefahr

eines dramatischen Konflikts zwischen den Kulturen und den Religionen

verschont zu werden."

Die Gläubigen

sollten daher selbst

mit Dialog und Verständigung

zwischen den Religionen

beginnen.

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